Posturologie

Der Begriff Posturologie stammt von dem Wort „Postur“ ab und heißt Haltung, Gestalt. Diese Heilmethode wurde von Prof. Bernard Bricot aus Frankreich begründet, ein Orthopäde und Chirurg, der in Marseille das „Collège international d’étude de la statique“ gründete und das Verhältnis zwischen dem Ungleichgewicht der Rezeptoren, die Asymmetrien beim Stehen und chronische Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparats untersucht.

Die Posturologie, die man auch als „Globale Haltungsreprogrammierung“ bezeichnet, berücksichtigt alle Einflüsse auf die Statik. Sie ist wissenschaftlich bewiesen und wird in Frankreich und Italien an sechs Universitäten gelehrt.

90% der Menschen haben mindestens einmal im Leben Beschwerden in der Wirbelsäule. Medikamente wirken zwar gegen die Schmerzen, sie haben jedoch keine Wirkung auf die Ursachen des Schmerzes, d.h. auf seine mechanischen Komponenten.

In sehr vielen Fällen sind die Schmerzen auf Funktionsstörungen von Bändern, Muskeln und Gelenken durch statische Fehlbelastungen zurückzuführen. Wird diese statische Fehlhaltung nicht langfristig korrigiert, nehmen die Beschwerden oft einen rezidivierenden Verlauf.

Die Anwendungsbereiche sind nicht auf Wirbelsäulenbeschwerden wie Bandscheibenschäden- und vorfälle, Ischias-Schmerzen und Skoliosen begrenzt, sondern es zeigen sich auch Erfolge bei Hüft-, Knie- und Fußschmerzen, sowie vor allem bei Kopfschmerzen, Migräne, Gleichgewichtsstörungen und Schwindel.

In der Posturologie werden v.a. die für die Statik am meisten verantwortlichen Rezeptoren wie Augen und Füße gründlich untersucht. Dabei finden sich häufig bisher unentdeckte sog. Konvergenzschwächen der Augen, die für eine Fehlhaltung im dreidimensionalen Raum verantwortlich sein können.

Weiter wird mit vielen verschiedenen Tests nach Störfaktoren der Haltung gesucht wie Wirbelblockaden, Narbenstörfelder, echte Beinverkürzungen usw. Nach einer Fotodokumentation wird therapeutisch meist über spezielle Einlegesohlen gearbeitet, die nie höhere Erhebungen als 2 mm aufweisen, sowie mit z.B. Augenübungen, Augentropfen, Narbenentstörung und Wirbelkorrekturen.

Die speziellen Einlegesohlen sind über ca. 1 bis 2 Jahre zu tragen bis sich über neuronale Vernetzungen des Nervensystems eine Reprogrammierung der Statik gefestigt hat.

Eine Besserung der Beschwerden ist meist schon nach wenigen Wochen zu erwarten, und Kontrolluntersuchungen können in einem großen zeitlichen Abstand von 2-4 Monaten erfolgen.

Prof. Bricot ist es gelungen, sämtliche neurophysiologischen Erkenntnisse über unser Haltungssystem in einer Lehre zusammenzufassen und wir lernen endlich besser zu verstehen, wie es zu Schmerzen und Veränderungen am Bewegungsapparat, zu Muskeldysbalancen, Störungen des Raumgefühls und des Gleichgewichts kommt und wie dies alles miteinander zusammenhängt.